Beckenringbruch, Schambeinbruch, Muskelfaserriss

Foto 2Es ist soweit!

Am 19. Februar wurden die Fäden gezogen. Das bedeutet, ich kann mich wieder ganz meiner sportlichen Leidenschaft hingeben (nun ja, fast).

Etwas ausführlicher? Gerne:

Bekanntlich hatte ich am 24.September 2013 einen schweren Unfall. Zuerst hieß es noch: Fraktur des Schlüsselbeins, sehr kompliziert, eine Operation ist zwingend notwendig. Eine Hakenplatte wurde eingesetzt, weil nicht alle Schrauben im teilweise nicht mehr vorhandenen Knochen Platz gehabt hätten.

Drei Tage nach der Operation sollte ich bereits das Krankenhaus verlassen, konnte aber kaum gehen. Die Hüfte schmerzte enorm, „Prellung“ hat es da jedoch nur geheißen. ☹

FotoNach fünf Tagen wollte man mich aber definitiv nicht mehr, trotz enormer Hämatome, und so wurde ich entlassen. Mit einer Diagnose der Clavicula-Fraktur ging ich in die anschließende Reha respektive Physiotherapie.

Nett wie meine Therapeutin war, wurde auch die sehr schmerzende Hüfte mitbehandelt. Aber es wurde nicht besser. Kurze Rede langer Sinn – nach fünf Wochen (!), und auf mein Drängen hin, kam ich aufgrund anhaltender Schmerzen in die „Röhre“, sprich MRT. Die Diagnose löste bei der Ärztin nur ein Kopfschütteln aus.

Beckenringbruch, Schambeinbruch, Muskelfaserriss.

„Wurde denn die Hüfte nicht geröntgt?“ Doch, zwei Mal, erwiderte ich. Ein weiteres Kopfschütteln der Ärztin folgte.

Nachdem unserer werten Frau Kanzlerin bei ihrem Winterurlaub ein ähnliches Schicksal (Beckenringbruch) widerfahren war, konnte man in den Medien mehr über diese Art der Verletzung erfahren. Unter anderem, dass zuallererst eine mindestens dreiwöchige Schonung nötig sei mit viel Liegen und wenig Bewegung. Ganz toll auch der Vermerk, dass es sich hierbei um eine der schmerzhaftesten Verletzungen überhaupt handelt!

Und ich humpele fünf Wochen lang durch die Weltgeschichte, gehe zur Reha, fahre mit Bus und Bahn ecetera. Ironman eben.

Nun, mein behandelnder Arzt meint jedenfalls, dass aufgrund der Nichterkennung und folglich Nichtbehandlung dieser Verletzung der Genesungsprozess noch etwas dauern kann. Zur Jahreswende war ich jedenfalls nicht in der Lage, 20 Minuten am Stück zu joggen. Zwischenzeitlich komme ich auf etwas über eine Stunde!

Nachdem nun auch die Platte entfernt wurde (nach vier Monaten statt wie üblich nach 12 Monaten), fühle ich mich zu Großem berufen. Bereits mit Platte in meiner Schulter konnte ich bei milden Wintertemperaturen das Radtraining aufnehmen. Und ein Vergleich mit den Trainingskilometern der letzten zehn Jahre zeigt: Meine gefahrenen Kilometer in den Monaten Januar/Februar sind doppelt so hoch wie im vergleichbaren Zeitraum (was natürlich auch ein wenig dem frühlingshaften Wetter geschuldet ist *g). Aber egal, es ist schon erwähnenswert, dass trotz der Schwere der Verletzung das Trainingslager auf Mallorca (zumindest radtechnisch) noch nie so top vorbereitet angegangen werden kann wie in diesem Jahr!

Als Rheinländer und von daher seit Geburt Optimist, sehe ich bei allem Ärgerlichen natürlich auch das Positive. Sicherlich ist es nicht schön, mit Schmerzen zu Hause untätig herumzusitzen. Allerdings – nach Wochen der Bewegungslosigkeit war es schon ein tolles Gefühl, endlich mal wieder ein paar Meter laufen zu können. Nachdem sich dies dann auf 20 – 30 Minuten erhöhte, stieg das Lebensgefühl nahezu ins Unermessliche. Der positive Nebeneffekt der immer noch schmerzhaften Lauferei: Die Entdeckung der Langsamkeit! Und das wiederum hatte zur Folge, dass der in den letzten Jahren schludrige Laufstil korrigiert werden konnte. Ich fing wieder an, die Arme korrekt zu bewegen, die Hüfte beim Laufen nach vorne zu drücken, nicht mehr wie auf dem „Kackstuhl“ sitzend die Kilometer abzuspulen, sondern, weil es so für mich am angenehmsten war, intuitiv das Richtige zu tun.

Gestern Abend erhielt ich im Kreise der laufenden Fortunen ein für mich unerwartet schönes und spontanes Kompliment: „Du hast aber einen schönen Laufstil!“

Bei all dem Ärger und Verzicht durch diesen blöden unverschuldeten Unfall – man kann auch positiven Nutzen aus dem ganzen Schlamassel ziehen. ☺

Ich bin jetzt vorsichtig optimistisch, dass meine geplanten Wettkämpfe doch erfolgreich absolviert werden können. Zur Jahreswende habe ich noch gedacht, das wird nix mehr, jetzt sieht die Welt schon wieder viel bunter aus – und das liegt nicht am Karneval. ☺

Leider wird mich die doch große Narbe immer an diesen 24. September erinnern, und beim Radfahren habe ich aktuell auch immer noch etwas Angst, wenn es gilt, Autos zu überholen. Ich hoffe, das legt sich wieder.

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