Cozumel-Ironman? Nie wieder! Aber nächstes Jahr!

Peter Damjancevic

Nachdem das Triathlonjahr 2014 mit der erfolgreichen Teilnahme am BerlinMan Ende August eigentlich abgeschlossen war, in der Jahresnachbetrachtung aber auch zwei DNF in Frankfurt und Roth auf der linken Seite der imaginären Erfolgsliste standen, habe ich mich kurzfristig für eine Teilnahme am Ironman Cozumel/Mexico entschieden.

Dort wollte ich ja schon letztes Jahr mein DNF aus 2012 vergessen lassen, aber – der LKW, ihr wisst schon…

Nun, Cozumel ist für mich immer eine Option, da neben dem Wettkampf eben auch schöne Tage in der Karibik zu erwarten sind. Allerdings waren diesmal die Wettervorhersagen katastrophal. Von zehn Tagen sollte ich allein acht bei Regen und/oder zumindest bei bedecktem Himmel verbringen.

Hallo? Karibik? Ich war schon entschlossen, zu Hause zu bleiben. Dann aber sagte ich mir: Teste es einfach aus. Zuvor jedoch habe ich mir – weise, weise – einen tragbaren DVD-Player besorgt. Wenn ich schon nicht am Strand liegen kann, dann schau ich halt Videos im Hotelzimmer.

Um es kurz zu machen: Der DVD Player wurde gar nicht erst ausgepackt, dafür war zum einen das TV Programm bei ESPN zu verlockend (Bundesliga live, 8.30 Uhr Ortszeit *g, Football live, Basketball live ecetera, der Himmel auf Erden für einen televisionären Sportjunkie wie mich) – zudem hielt sich das Wetter, entgegen der Vorhersage, ganz gut.

Nicht ganz so toll wie 2012, aber trotzdem überwiegend sonnig. Das bedeutet, statt Fernseh/Videonachmittage im Zimmer, stundenlanges relaxen am weißen Strand unter Palmen. *g

Aber nun zum Wesentlichen – dem Wettkampf!

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Dass seit meinem Ausscheiden 2012 die Schwimmstrecke entschärft wurde, kommt natürlich vielen zugute, die es nicht gewohnt sind, gegen den Strom zu schwimmen. Unabhängig davon sind und bleiben es 3,8 Kilometer, die jedoch bei angenehmen Temperaturen und guter Sicht – bis zum Meeresgrund – absolviert werden. Das allein macht es schon empfehlenswert, einmal zumindest in Cozumel an den Start zu gehen. Ich vergleiche das Schwimmen dort immer mit Baden im Aquarium. Was einem auf der langen Tour so vor die Augen kommt, ist schon beeindruckend.

Leider blieb die angekündigte Strömung aus, die zuvor von etlichen Athleten erhoffte Bestzeit um die 40 Minuten illusorisch. Ich wäre ja schon mit 1.10 Stunden zufrieden gewesen.

Angenehm war der Wellenstart (keine Prügeleien). Zuerst ins warme Wasser gingen die Profimänner, knapp gefolgt von den Profifrauen – und dann schon wenige Minuten später die “Alten“, also auch ich. Natürlich wurde ich nach einigen hundert Metern schon von der nachfolgenden Gruppe überholt – aber das Meer ist ja breit. Die Strecke mit 3,8 Kilometern aber auch lang.

Und während ich so vor mir herschwamm und die bunten Fische bestaunte, wunderte ich mich, dass nach der gelben Boje noch eine Boje kam, und noch eine, und noch eine… es schien kein Ende zu nehmen. Dann aber kam eine große rote Boje und ich dachte mir, dass muss das Finish sein – aber dann kam noch eine gelbe, und noch eine, und… Irgendwann habe ich aufgehört zu glauben, dass ich jemals wieder Boden unter den Füssen habe. Schlussendlich konnte ich aber nach 1.37 Stunden dem Meer entspringen – glücklich es diesmal im Zeitlimit geschafft zu haben, aber auch unglücklich, weil ich offensichtlich immer noch nicht schwimmen gelernt habe.

Nun denn, kurz das Salzwasser vom Körper abgeduscht, ins Wechselzelt gejoggt, Die Radklamotten angezogen, den vielen vielen helfenden Händen deutlich gemacht, dass ich weder Vaseline noch Sonnencreme bräuchte (ich wollte braun werden *g) und weiter zum bereits wartenden Bike.

Was für ein Gefühl! Endlich konnte ich beenden, was ich 2012 angefangen hatte (dachte ich zu diesem Zeitpunkt). Die ersten Kilometer liefen hervorragend, die breite Straße auf der Insel war ideal, ein Windschattenfahren nicht nötig, man konnte die ganze Breite nutzen. Es war windstill, die Strecke flach (laut „Hannes“ hat´s auf der Radstrecke 19 (!) Höhenmeter. *g) Die ersten Kilometer fuhr ich mit einem Schnitt von 39 km/h.

Wo sollte das hinführen? Wann werde ich den ersten Profi hinter mir lassen? Was ziehe ich bloß auf Hawaii 2016 an?

Bike

Und dann kam der Wind…

Es war wie das Fahren gegen eine Wand. Ich hasse Wind. Die komplette Strecke entlang des Meers führte über 25 Kilometer. Eigentlich schön, aber ich konnte es nicht genießen, ich musste kämpfen. Der Schnitt sank, teilweise fuhr ich mit 15 – 20 km/h, wie frustrierend. Schlimm war auch zu wissen, dass man das jetzt noch zweimal vor sich hatte, denn eine Radrunde belief sich auf 60 Kilometer (und man musste ja irgendwie auf gesamt 180 Kilometer kommen *g) – der Wind wurde aber mit jeder Runde stärker.

In der zweiten hielt ich an unserer Hotelanlage an, Hannes an der Strecke bewachte dort die Fortuna-Fahne. Ich erklärte ihm, dass mir vor den weiteren Runden graut. Er fragte, wie es denn wäre, wenn ich aufgebe? „Na, soweit ist es noch nicht… ich wollte nur meinen Frust loswerden“, schüttelte den Kopf und fuhr weiter. In der dritten und letzten Runde aber schien mir Montezuma oder wie die ganzen Inselgeister heißen mögen, den letzten Willen rausgesaugt zu haben.

Ich stieg am Meer vom Rad, ließ mir den Wind um die Ohren pusten und gab auf. Dachte ich. Wäre zu diesem Zeitpunkt ein Taxi, Bus oder Kreuzfahrtschiff vorbeigekommen, ich wäre eingestiegen. Aber – die Strecke war von den Verantwortlichen für den normalen Verkehr gesperrt, wie gemein – es kam nichts außer einem Race-Marshall auf dem Moped. Das half mir nicht weiter, also war ich ein weiteres Mal auf mich alleine gestellt und gab meinem Bike die Sporen.

Vor mir – um mal zu verdeutlichen, was für ein Wind teilweise herrschte – fielen zwei Athleten vom Rad. Beide waren ähnlich langsam unterwegs, standen fast, dann kam noch eine Böe vom Meer. Und zack, lagen sie auf dem Asphalt. Es ist nicht übertrieben, wenn ich sage, das waren die bisher härtesten 180 Radkilometer meines Lebens. Und es ist auch nicht übertrieben wenn ich sage, das will ich nie wieder haben!

Die Geier kreisten bereits über unseren Köpfen (kein Witz! Ende November ist, glaube ich, das persönliche Geier-Thanksgiving). Keine Ahnung, wie viele von den fast 25 Prozent der nicht ins Ziel gekommenen ein Mahl für diese Vögel wurden. *g

Selbstverständlich schwor ich mir, dass dies definitiv mein letzter Ironman sein wird (Juli 2015 ist ja Challenge *g). Ab sofort nur noch maximal 70.3, das ist ideal, aber nie wieder eine solche Quälerei (sag ich allerdings bei fast jedem Rennen).

Irgendwie kam ich doch zur Wechselzone, und war überrascht, wie viele Laufsachen noch am Haken hingen. Meine Radzeit betrug brutto 7.15 Stunden, netto 6.50 Stunden. Wieviel von den 25 Minuten nun verquatscht und wie viel mit Warten auf das Kreuzfahrtschiff, Taxi oder Bus draufgingen, entzieht sich meiner Kenntnis.

triatlon mexicoWeiterlaufen wollte ich nicht mehr, aber eine Runde zumindest (von drei) könnte ich mir gönnen. Neugierde auf die Laufstrecke halt. Also Helm ab, Käppi auf, Radschuhe gegen Laufschuhe getauscht und im Entengang auf die Strecke. Sofort traf ich Hannes, meinen Reiseleiter, der spontan die Kamera zückte und sich erfreut zeigte, dass ich es doch weiter versuche. Mehr als ein quälendes Lächeln war ich aber nicht imstande zu geben (ein schreckliches Bild *g).

Ich versuchte leichtes Joggen auf der Strandpromenade, aber es fiel mir schwer. Also gehen, das fiel mir aber auch schwer, weil ich mich noch im „innerstädtischen“ Bereich befand und dementsprechend viele Zuschauer an der Strecke waren. Da macht es sich nicht gut, wenn man als gestandener „Eisenmann“ geht. Also wieder joggen, der Applaus der Zuschauer entschädigt für die Schmerzen. „Irgendwann wird es auch ruhig, dann kann ich gehen, und keiner merkt es“.

Die Strecke war voll, viele Athleten, die bereits in der zweiten und dritten Runde waren, aber auch einige, die sich wie ich in der ersten befanden. Ich liebe Rundstrecken, die man sich in appetitliche Häppchen einteilen kann. So auch hier. Man musste sieben Kilometer in die eine Richtung, und sieben Kilometer wieder zurück laufen. Drei Runden a´ 14 Kilometer. Sicher, es sind und bleiben 42 Kilometer, aber für den Kopf waren es eben nur sieben (die man dann zwar sechs Mal zu laufen hatte, es hört sich aber harmloser an).

Ich war mir sicher, aufgrund der Vorbelastung und der sich angestauten Wut ob des starken Windes trotz allem nur eine Runde zu absolvieren und dann abzubrechen. Das Lauftempo (wenn ich denn lief) erhöhte sich von 6.30 min/km auf 7 min/km bis hin zu 8 min/km. Aber, und das war dann das Entscheidende – ich hatte Zeit!

Zeit noch und nöcher um zu finishen. Fast acht Stunden verblieben bis zum Zielschluss, da hätte ich kriechen, robben, sprich: auch wandern können. Und ich wollte finishen! Wie heißt es immer: DNF ist keine Option (verletzungsbedingt natürlich schon) Aber ich war nicht verletzt. Und alle anderen liefen, krochen oder wanderten doch auch.

Die erste Runde wurde absolviert. Meine Hoffnung, dass auf der Strecke irgendwann keine Zuschauer waren, erfüllte sich – glücklicherweise – nicht. Überall vor den Hotels war Party. Man wurde unterstützt, aufgemuntert, angefeuert.

Inzwischen wurde es dunkel (auf Cozumel ab 17 Uhr). Sonnenbrille brauchte man nicht mehr. Die Verpflegungsstationen wurden nun regelrecht geplündert, Wasser über den Kopf, Cola in den Rachen, und dann wieder Wasser, um die Hände vom klebrigen braunen Getränk zu säubern. Das Laufen fiel nun natürlich mit jedem Kilometer schwerer, aber wenn man sich einmal entschieden hat „das Ding“ zu beenden, dann zieht man es auch durch.

Bereits nach der Hälfte der Marathonstrecke wusste ich, dass ich es schaffe, und als Motivation malte ich mir dann aus, wie ich glücksstrahlend als „Sieger“ (zumindest der Herzen? *g) einlaufe. Die noch zu absolvierenden Kilometer wurden heruntergezählt. Das Ziel hatte man vor Augen, aber man musste noch einmal, das letzte Mal, in die abschließende Runde. Und dann war es endlich, nach quälend langen 14,36 Stunden geschafft.

IM Cozumel„Here comes Peter Damjancevic, Fortuna Düsseldorf, YOU ARE AN IRONMAN“ so begrüßte mich der Sprecher im Ziel. Ganz Mexiko konnte es hören. Die Schmach von 2012 war vergessen, ich hab´s gerockt!

Für die hart erkämpfte Medaille im Ziel muss ich beim Rückflug Übergepäck bezahlen war mein erster Gedanke. Aber egal.

Am Tag drauf dann – quasi als Belohnung – machten wir den zuvor wegen schlechter Wetterbedingungen ausgefallenen Schnorchelausflug. Das Highlight hier: Zwei Meter vor mir tauchte ein Hai auf! In echt, lebend! Aber zum Glück: satt!

Verabschiedet wurden wir am Abreisetag mit strömenden Regen – genau das Wetter, das man mir im Vorfeld prophezeit hat – aber jetzt war es mir egal.

Wenn die Frage kommt – noch einmal Ironman? Noch einmal Cozumel? Lautet die Antwort: „Na klar!“

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Ein Kommentar zu Cozumel-Ironman? Nie wieder! Aber nächstes Jahr!

  1. Großartiger Artikel. Habe sehr gelacht und Lust auf die LD in Mexiko bekommen. Hut ab, you are an Ironman and a funny one noch dazu.

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